Bhairavi

Sie repräsentiert den göttlichen Zorn und ist eine kämpferische und Furcherregende Göttin. Sie richtet sich gg. Kräfte, die der Entwicklung und Reifung entgegen wirken (9 Hindernisse des Geistes, die Angst vermitteln).

Ihre Erscheinungsform ist Feuer, Blitz und Sonne. Sie hat die Fähigkeit Willen und Wissen in die Tat umzusetzen.

Mit dem Schwert zerstört sie Form, und die Mala markiert einen neuen Schöpfungs- kreislauf. Ihre Mudras: vertreiben Angst und bieten Schutz.

Bhairavi erschrenkt jene, die an ihren Zweifeln und Unfähigkeiten hängen und so  Entwicklung verhindern. Bhairavi ermöglicht Verwirklichung und aufsteigen der Energie. Sie stärkt die Disziplin und Kraft Hindernisse zu überwinden.

Mantra/Japa „Om Hstraim Hshlrim Hstrauh Bhairavyai Namaha“

Yantra:

8 Blütenblätter: 8 Elemente

9 nach unten gerichtete Dreiecke: 9 Basisenergien/Hauptnadis, 9 Formen der Göttin Durga, 9 Mutterschößen (Navayoni)

violetter Hintergrund d. Dreiecke: Beziehung zum Kehlchakra, Kraft des Wortes

Ausdehnungsmeditation – Bhuvaneshvari

Nimm eine Meditationshaltung ein und schließe die Augen. Achte darauf, das sich Wirbelsäule und Kopf in einer geraden Linie befinden. Bringe den Geist zur Ruhe.

Richte dann die Aufmerksamkeit auf den Körper. Achte darauf , daß du dich nicht auf einen bestimmten Körperteil konzentrierst, sondern richte die Achtsamkeit im Fluß durch den ganzen Körper.

Betrachte den ganzen Körper und mache dir den Atemprozess bewusst. Betrachte Atem und Körper gleichzeitig. Betrachte einfach den natürlcihen Atemfluss, ohne etwas zu beeinflussen oder zu bewerten, und behalte dabei die Achtsamkeit auf den Körper bei.

Nun beobachte deinen inneren Raum. Richte die Achtsamkeit auf den inneren Erfahrungsraum. Er ist nicht vor oder hinter den geschlossenen Augen, nicht im Herzen, nicht im Bauch, sondern überall. Er beziht den ganzen Körper mit ein. Er ist kein bestimmter Punkt, sondern der Raum, in dem der Körper und alles existiert.

Richt die Achtsamkeit auf seine Farbe. Sie ist die Form der Farbe in diesem Raum? Betrachte den Wechsel der Farben.

Sei dir bewusst: Der Bewusstseinsraum ist formlose Existenz, aber er hat Farbe. Die Farben sind symbolischer Ausdruck der Lebenskraft in dir. Es ist formlose Realität des physischen Seins.

Verweile ohne Anhaftung in konstanter Achtsamkeit für diesen Raum, den ganzen Raum, den Raum, der auch das Unbekannte umschließt.

Der Bewusstseinsraum ist nicht im Körper. Du existierst im Bewusstseinsraum.

Quelle: Eva.Maria Kiefer, Visionen der Göttin. (S. 62)

Bhuvaneshwari

Sie ist die Herrscherin über den Raum, der die Erscheinungswelt trägt. Die materielle Welt ist ihr Schmuck.

Darstellung mit strahlende Haut wie die aufgehende Sonne steht für die ewige Jugend und frische der Schöpfung. Die Kleidung aus feiner matt roter Seide weist auf süße und sinnträchtige Präsenz. Die rote Lotusblüte steht für die verbindende Kraft des Wissens. In ihren 6 Händen hält sie Symble für Wissen, Grenze des Wissens, Schwerkraft und Kohäsion, Ausdehnung in alle Richtungen. Ihre Mudras zerstreuen Angst und spenden Segen. Die Augen strahlen Liebe und Mitgefühl aus.

Bhuvaneshwari findet Verehrung durch die Erweiterung unserer Wahrnehmung und durch die Ausdehung unseres Bewußtseins. Sie unterstützt die Ausdehnungsmeditation auf den undendlichen Raum, statt sich auf ein Objekt zu konzentrieren. Diese Meditationstechnik stärkt die  Entwicklung des inneren Beobachters.

Mantra/Japa: „Om Hrim Bhuvaneshvaryai Namo Namaha“

 

Tripura Sundari

„Die Schönheit der drei Welten“ verkörpert das Erkennen der Natur als Reflexion des Bewußtseins und repräsentiert die Freude in der Betrachtung der Welt durch das Auge der Einheit.

Sie wird dargestellt als schöne junge Frau, die verspielt und unvoreingenommen die Welt betrachtet. Sie tront auf einem Sitz der von Brahma, Vishnu Shiva/Rudra, Ishana und Sadashiva getragen wird und überwacht ihre Funktionen (Schöpfer, Erhalter, Zerstörer, Verdecker, Offenbarer).

Die 5 Pfeile stehen für 5 Sinne (Karma). Der Treibstachel will die Schöpfung antreiben. Die Schlinge umgarnt die Schöpfung in ihrer Leidenschaft, sie zu erhalten.

Eine Meditation mit dem Japa „Om Hrim Bhuvaneshvaryai Namo Namaha“ verbindet dich mit der Fähigkeit zum erkennen der Welt. In Tripura Sundari sind Shiva und Shakti verein. Ihr Yantra ist das Shri-Yantra.

Drei Gunas

Nach Vorstellungen des indischen philosophischen Systems Samkhya ist die Urmaterie (Prakriti) durch drei wesentliche Eigenschaften oder Kennzeichen (Gunas) charakterisiert: Tamas (Trägheit, Dunkelheit, Chaos), Rajas (Rastlosigkeit, Bewegung, Energie) und Sattva (Klarheit, Güte, Harmonie).

Die drei Kräfte werden in der Bhagavatgita genauer beschrieben. Praktisch gibt uns dieses Konzept den Hinweis, träge Faulheit (Tamas) durch Aktivtät (Rajas) zu überwinden, und rastlose Aktivität durch sattvige Lebensweise.

Dämonen

Aus tantrischer Sicht sind dämonische Kräfte jene Energien, die sich von der Einheit getrennt sehen, egoistisch und eigennützig. Im Äußeren erscheinen sie als Bequemlichkeit und Luxus. In unserem Inneren wirken sie als Haß, Geiz, Stolz, Selbstüberschätzung und Anhaftung.

In alten Mythen wird immer wieder über den Kampf der Gottheiten gegen dämonische Kräfte beschrieben. So sind sie in einer dualistischen Weltsicht die andere Seite, der Gegenpol zu den Göttern. Solange wir uns in der dualen Welt bewegen, gilt es, dämonische Kräfte zu überwinden. Aus einer absoluten Sicht gibt es keinen Unterschied, in so weit, als es in der nondualen Welt überhaupt keine Eigenschaften gibt.

Im Tantra sagen wir gerne, dass wir göttliche Wesen sind, die eine menschliche Erfahrung machen wollen, also inclusive aller Dramen. Als Menschen mit dem Bedürfniss nach der Einheitserfahrung sollten wir uns aber den lichten und integrierenden Kräften widmen, um die „Trennung“ Stück für Stück zu überwinden. Das Konzept der drei Gunnas gibt uns weitere Hinweise wie wir dahin kommen.

Durga

Shakti Devi, die göttliche Mutter, hat viele Erscheinungsformen. Durga (wörtlich „die schwer zu Begreifende) ist eine sehr populäre Form der Göttin (devi) im Hinduismus.  Ihre Hauptaspekte werden durch Saraswati, Lakshmi und Parvati repräsentiert. Im Tantra repräsentiert sie Shakti, die weibliche Urkraft/Energie des Universums.  Während sie etwa als Lakshmi zu Vishnu und als Saraswati zu Brahma gehört, ist sie in der Form der Durga keinem männlichen Gott zugeordnet.

In verschiedenen Mythen wird die unermesslich Kraft Durgas im Kampf gegen die dämomischen Kräfte besungen.

Tara

Sie wird im Buddhismus und anderen indischen Religionen als eine weibliche, friedvolle Manifestation erleuchteter Weisheit gesehen. Tara gilt als die Essenz des Mitgefühls.

Eine Meditation mit dem Japa „Om Strim Tarayai Namo Namaha“ kann dich vielleicht mehr mit deinem Mitgefühl für dich oder andere verbinden.

Darstellung: blaue Haut: Dämmerung am Himmel mit Sternen (Leuchtfeuer in der Nacht),

Tigerfell: Zähmung der Wildnis,
Waffen u. Totenkopfgirlande: Symbole der Ich-Eroberungen,
Kopf: zerstörtes Ego,
Lotus: Geschenk der Selbsterkenntnis,
bluttropfender Mund: verschlingt unsere fälschlichen Identifizierungen,
hängender Bauch: Bürde des Selbstbetrugs, Langeweile,
3 leuchtende wache Augen: Glückseligkeit,
tönt AUM: gebirt den Kosmos,
steht mit einem Fuß auf Shivas Herzen (Maskierung des Bewusstseins) und mit dem anderen auf seinem Bein (Lähmung durch selbstsüchtige Natur des Egos)

Mantren:
Bija: Strim, Trim,
Japa: Om Strim Tarayai Namo Namaha

Yantra: rotes Dreieck mit der Spitz nach oben: nach oben gerichtete Energie.

Farbe: rot (komplementär: grün: Ausgleich und Harmonie (Frieden und Gleichgewicht).  Violetter Raum um Dreieck: Akasha/Äther,Klang,Kehlchakra, Sprache.

8 Blütenblätter: 8 Elemente der Natur Pakriti (s. Kali)

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Kali

Sie verkörpert den Zorn der Durga oder die dunkle Seite Parvatis und sie kann Wünsche erfüllen. Sie repräsentiert z.B. die Qualität einer Mutter, deren Kind angegriffen wird. Sie hat wenig Respekt vor Ego-Köpfen und mag keine Unehrlichkeit (von Männern).

Es gibt viele Kali-Meditationen, manche mit lauter Musik und aktiven Bewegungen. Mehrheitlich Frauen können sich dabei mit der Energie verbinden, die eine angemessene emotionale Reaktion auf Unehrlichkeit und Feigheit ermöglicht. Der mütterliche Aspekt der Kali steht auch für Liebe und Fürsorge gegenüber den unsicheren, kindlichen Anteilen der Mitmenschen, aber die Emotionen werden nicht vorenthalten, die durch eitles Ego-Gehabe ausgelöst werden. Wenn Frau zu oft zu „nett“ ist, kann Kali helfen.

Darstellung: schwarze Haut (misteriöses dunkles All), Waffen, Totenkopfgirlande und Rock aus Armen (Befreiung von der Ich-Identifikation), frisch abgeschnittener Kopf (Trophäe für Sieg über das Ego), Mudrageste (fürchte dich nicht), drittes vertikales Auge (immer wach), blutige heraushängende Zunge (sie verschlingt alles in der Schöpfung (Zeit), tanzt auf liegendem Shiva (ihre dramatische Erscheinung und ihr Tanz ist so unterhaltsam, dass wir Shiva (unsere wahre Natur) vergessen)

Mantren: Om Krim Kalikayai Namaha (Bijamantra: Krim/Chrim)

Yantra:
Farbe der Nacht (kompl.: warm orange=Akzeptanz, hilft bei Depress.)
Blütenkreis: Kali = Ursache d.Natur (Prakriti)
8 Blütenblätter=8 Elemente (außen: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther; innen: Geist, Intellekt, Ego)
3 Ringe: Vergangenheit, Gegenwart,, Zukunft
5 Dreiecke: 5 Wahrnehmungsorgane, 5 Handlungsorgane, 5 Winde*

Purushartas – Sinn des Lebens

Der Sinn des Lebens ist „Selbstverwirklichung“. Aber was ist das „Selbst“ und was ist „wirklich“?

Die Christen streben nach dem Ableben in den Himmel. Wenn du in der „kapitalistischen Religion“ zum Beispiel bei Google nach Selbstverwirklichung suchst, wird dir zuerst angeboten, wie du mehr Geld verdienen kannst (Einheit mit dem Geld-Gott). Im Vedanta wird das Selbst mit Atman assoziiert, unzerstörebare Essenz des Geistes, und Wirklichkeit ist Ilusion. Selbstverwirklichung ist die Einheit mit Gott. Welcher Gott? Das kannst du dir aussuchen.

Man kann sich aber darauf einigen, dass auf dem Weg zur Selbstverwirklichung einige Stationen liegen. Ähnlich wie in der Maslowschen Bedürfnispyramide beschreiben die Purushartas die Stufen, an deren Spitze Moksha (Befreiung, Selbstverwirklichung) steht.

Warum steht das hier beim Tantra? In vielen Tantra-Gruppen wird auf Sinnlichkeit und Emotionen fokussiert. Viele rechtschaffend arbeitende Menschen kritisieren diese „Luxus-Bedürfnisse“.  Auch wenn diese Kritik teilweise berechtigt sein mag, erklären die Purushartas doch ihre folgerichtige Stellung auf dem Weg der Selbstverwirklichung, nach der Befriedigung von materiellen Bedürnissen und sozialem Ansehen.

Für viele Besucher von Tantraveranstaltungen dürfte wiederum befremdlich wirken, wenn diese schönen Genüsse auch nur temporär sein sollen und wir mit der Befreiung weiter machen.

Aber so funktionieren Bedürfnissen. Wenn man z.B. längere Zeit nichts gegessen hat, fällt es einem schwer, sich z.B. um Brennholz für den Winter zu kümmen. Wenn wir satt sind, kümmern wir uns um die nächsten Schritte. So können fortgeschrittene Tantrika wohlwollend die Turbulenzen sexueller und emotionaler Beziehungsarbeit betrachten und bei der Lösung von Problemen helfen. Sie bekommen aus ihrer meditativen Verbindung mit dem Göttlichen die Kraft und Freiheit dafür.

Eine wichtige Voraussetzung für Selbstverwirklichung ist „Selbsterfahrung“. Das ist hier auch im therapeutischen Sinn gemeint. Denn Bedürfnisse lassen sich stillen und sättigen, aber das neurotische Verlangen aus unbewältigten traumatischen Erlebnissen ist unstillbar. Daher sind Neurosen ein Hinderniss auf dem Wege der Selbstverwirklichung und „Schattenarbeit“ in  tantrischen Gruppen ein selbstverständlicher Bestandteil.

Meditation auf Gottheiten als Aspekte des Mensch-Seins kann Helfen festgefahrene Muster zu überwinden.  Dafür bietet sich im Tantra eine Fülle von Gottheiten an, und du hast die Erlaubnis, dir auch eigene Objekte deiner Verehrung und Meditation zu erschaffen. Für die tantrische Verehrung des Weiblichen sind die 10 Mahavidays typisch.

Weiter mit den Mahavidyas …